Gemeinde ohne Ehrenamt?

Kirchengemeinde ohne ehrenamtliches Engagement?
Funktioniert gar nicht!


Von Zeit zu Zeit werden uns als Kirchengemeinderat Zahlen und Daten vom Kirchenkreis zur Verfügung gestellt und diese lösen Diskussionen im Kirchengemeinderat, unter den Pastoren, mit Nachbargemeinden und mit den Verantwortlichen im Kirchenkreis aus. Das Zahlenwerk beinhaltet u.a. eine Aussage über die Anzahl der Gemeindemitglieder mit Prognose zu deren Entwicklung. Die Anzahl der Gemeindemitglieder ist maßgebend für den Personalschlüssel zu den Pastorenstellen. Eine Prognose zu weiteren Stellenkürzungen ist Auslöser für Gedanken zur Perspektive einer Kirchengemeinde. Was geschieht, wenn immer weniger Stellenanteile durch den Kirchenkreis finanziert werden sollen? Altengamme ist eine kleine Gemeinde und so hat diese Frage eine ganz besondere Bedeutung für uns. Es geht aber nicht nur um die Vorstellung: einen (eigenen) Pastor für die Seelsorge, eine Kirche mit Gottesdiensten, Trauungen, Taufen und Beerdigungen. Es geht um unsere Kirchengemeinde schlechthin. Wir müssen nachdenken und stellen uns folgende Fragen:

Wie funktioniert eine gute Gemeinde? Was ist ihre Basis? Wer hilft mit? Welche Zukunft hat unsere Kirche im Allgemeinen? Welche Herausforderungen haben wir speziell in der Kirchengemeinde Altengamme zu meistern? Wir als Kirchengemeinderat trafen uns an einem Samstag im Herbst, sind diesen Fragen nachgegangen und haben auch einen Blick  über den Tellerrand gewagt. Vorher haben wir zum Einstieg zusammengetragen, was heute schon für unser Gemeindeleben steht:

Es gibt jeden Sonntag einen Gottesdienst mit unterschiedlichen Ausrichtungen wie: Abendmahlsgottesdienst, Stall- und Elbgottesdienst, Brackgottesdienst, Himmelfahrt mit Fahrradtour, Apfelfest und Erntedank und Kneipengottesdienst. Es gibt Gottesdienste zu den christlichen Hauptfesten und es gibt Gottesdienste mit Taufen, Konfirmationen, Konfirmationsjubiläen, für Familien, auf Plattdeutsch, für Senioren oder mit besonderer musikalischer Ausrichtung und mit unseren Chören … Und es gibt den Lebendigen Adventskalender in der Gemeinde.


Es gibt besondere Angebote für Kinder, Jugendliche und Senioren: Kinderkirche, Jugendgottesdienste, TeamerCard-Ausbildung, Kinderchor, Jugendchor, Zeltlager und ganz neu eine  Reise als Hüttentour. Wir machen Ausfahrten mit der Gemeinde – letztes Jahr ging es ins Alte Land oder auf den Ratzeburger See mit anschließendem Dombesuch. Es findet sich regelmäßig der Literaturkreis zusammen.

Wir arbeiten eng mit der Schule zusammen, so wird z.B. das Krippenspiel seit vielen Jahren im Rahmen eines Wahlpflichtfaches angeboten und durchgeführt, ein Schulgottesdienst zur Einschulung, der Weltgebetstag und Einiges mehr. Wir arbeiten mit der KITA zusammen: Das Motto „mit Gott groß werden“ fordert uns zum Mitwirken auf. Dazu gehören regelmäßige Besuche unserer Kirche und der Martinslauf. Neu hinzugekommen sind die Andachten. Wir pflegen eine gute Kooperation mit der Feuerwehr, z.B. beim Lebendigen Adventskalender oder beim Laternenumzug und beim Martinslauf.

Wir bewerben uns um Projekte, wie Artists in Parish. Ein Ergebnis, der Nikolaus, steht zwischen den Brauthäusern. Oder wir erstellen in der Gemeinde gemeinschaftlich ein  Freundebuch, anlässlich des Jubiläums „500 Jahre Martin Luther“. Zu nennen sind auch Projekte wie der Platz für Stillgeburten oder Aktionen wie das Laubharken auf dem Friedhof. Der Basar zur Adventszeit ist das Ergebnis einer Arbeitsgruppe fleißiger Frauen und Männer.

Wir halten Kontakt zur Gemeinde: Über den Besuchskreis werden ältere Gemeindemitglieder zum Geburtstag aufgesucht und beglückwünscht. Kontakte untereinander
werden auf unterschiedliche Weise gepflegt. Dazu zählen auch die Celsa, unser Internetportal, die Beziehung zur örtlichen Presse oder auch die Friedhofsbroschüre. Wir engagieren uns regional in Arbeitskreisen, pflegen die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden und unterstützen gleichzeitig auch die Projektpfarrstelle.

Das alles sind Aktivitäten und Aufgaben, die eine lebendige Gemeinde auszeichnen und das alles leisten Pastor, hauptamtliche Mitarbeiter und Ehrenamtliche gemeinsam. Ihr Engagement steht für Zusammenhalt und Qualität einer Kirchengemeinde.

An dieser Stelle ist ein rechtlicher Hinweis zur Kirchengemeinde wichtig. Er soll deutlich machen, dass es nicht nur um das Engagement geht, sondern auch um Verantwortung. Die Kirchengemeinde ist eine Körperschaft des Kirchenrechtes und zugleich eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes. Die Kirchengemeinde hat ein Selbstbestimmungsrecht und der Kirchengemeinderat hat die Aufgabe, für den Aufbau und die Gestaltung des Lebens in der Gemeinde zu sorgen, z.B. über die Ausrichtung der Gottesdienste oder die  Kirchenmusik zu entscheiden. Außerdem ist der Kirchengemeinderat für die Ordnung in der Gemeinde zuständig. Dazu gehören der Haushalt mit seinen Einnahmen und Ausgaben, die Finanzen, die Gebäudeunterhaltung, der Friedhof sowie die Führungsverantwortung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Fazit: Es gibt viele Herausforderungen und Aufgaben zu bewältigen, heute wie morgen. Die Kirchengemeinde St. Nicolai zu Altengamme verfügt über einen gesunden Haushalt, ist zudem eine Gemeinde mit einem aktiven, guten Gemeindeleben und das muss auch so bleiben. Die Zukunft unserer Gemeinde ist in einem hohen Maße von uns und unserem Einsatz abhängig.

Tun tut gut – so lautet das Motto zum Ehrenamt in der Kirche Norddeutschlands. Und wenn etwas gut funktioniert, darf auch gefeiert werden.

Einladung:

Am Sonntag, dem 3. Juni lädt der Kirchengemeinderat zu einem Ehrenamtlichenfest in den Gemeindegarten ein. Beginn ist um 10 Uhr mit einem gemeinsamen Gottesdienst.

Ute Schmoldt-Ritter